THC

Was ist THC? Alles was du wissen musst!

Von Cornelius De Luca |
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THC ist die Abkürzung für Delta-9-Tetrahydrocannabinol und wohl das bekannteste im Hanf enthaltene Cannabinoid. Es wirkt stark psychoaktiv und wird in den meisten Ländern als Rauschmittel klassifiziert. THC gilt als das am besten erforschte Cannabinoid – ihm verdanken wir auch die Entdeckung des menschlichen Endocannabinoidsystems.

THC

Das Wichtigste in Kürze

  • THC ist ein psychoaktives Phytocannabinoid der Cannabispflanze.
  • In der lebenden Pflanze kommt THC nur in Form von THCA vor.
  • THC entsteht erst durch die Erhitzung von THCA (=Decarboxylierung)  
  • Der Freizeitkonsum von THC ist in den meisten Ländern verboten.
  • In der Medizin ist THC unter dem Namen Dronabinol bekannt.

Steckbrief THC

Vorkommenüberwiegend in unbefruchteten Blütenständen der weiblichen Hanfpflanze in Form von THCA
Vorgängerentsteht durch Decarboxylierung (“Aktivierung”) aus THCA
Nachfahrewird zu CBN
Wirkung (vermutet)schmerzlindernd, muskelentspannend, appetitanregend und berauschend(1)
Psychoaktivitätpsychoaktiv
Chemische FormelC21H30O2
Siedepunkt157 °C

Was ist der Unterschied zwischen THC und THCA?

In der lebenden Hanfpflanze kommt THC fast ausschließlich – nämlich bis zu einem Anteil von 90% – in Form einer Säure namens THCA vor. THCA ist somit die natürliche Vorstufe zu THC. Erst durch Lagerung, UV-Strahlung und Fermentation oder durch gezieltes Erhitzen wird die Säuregruppe vom THCA-Molekül abgetrennt und es entsteht psychoaktives THC. 

Den Prozess dieser Umwandlung nennt man Decarboxylierung. Sie geschieht z.B. beim Rauchen oder Verdampfen von Pflanzenmaterial. Das ist der Grund, warum Menschen Cannabis rauchen und nicht essen!

Wird THC allerdings zu lange oder zu hoch erhitzt, oxidiert das THC zu CBN (Cannabinol).

Die Zusammenhänge zwischen THC, seinen Vorgängern und dem Nachfolger verdeutlicht folgende Grafik: 

Entwicklung Cannabinoide

Möchtest du mehr wissen über Cannabinoide in ihren verschiedenen Formen, ihre Umwandlung und ihre Wirkungsweise im menschlichen Körper? Dann lies unseren umfassenden Artikel über Cannabinoide!

Welche Wirkung hat THC?

THC hat eine ähnliche chemische Struktur wie Anandamid, ein wichtiger Botenstoff, den unser Körper selbst herstellen kann und der eine große Rolle spielt bei der Steuerung von Stimmung, Schlaf, Appetit, Gedächtnis, usw. Anandamid ist ein sogenanntes Endocannabinoid und dockt an spezielle Rezeptoren an um seine Funktion zu erfüllen. Derzeit sind zwei Arten dieser Cannabinoid Rezeptoren bekannt: CB1 Rezeptoren und CB2 Rezeptoren.

Die genauen Abläufe innerhalb des hochkomplexen Endocannabinoidsystems im Menschen sind noch nicht geklärt, aber THC kann an beiden Rezeptortypen direkt andocken und scheint daher Wirkungen in besonders vielen verschiedenen Bereichen zu haben.

CB1 Rezeptoren befinden sich überwiegend im Zentralnervensystem. Über sie steuert unser Körper unter anderem Schmerz, Glücksgefühle, Entspannung, Motorik oder das Lernen. Dockt anstelle eines körpereigenen Endocannabinoids THC an die CB1 Rezeptoren an, so werden die Befehle “verfälscht”. Da im Kleinhirn, in den Basalganglien und dem Hippocampus besonders viele dieser Rezeptoren zu finden sind, lässt sich erklären, warum THC in unserem Gehirn überhaupt wirken kann.

Dass THC auch auf unser Immunsystem wirken könnte, liegt an der Tatsache, dass dort besonders viele CB2 Rezeptoren zu finden sind, an die THC ebenfalls andocken kann.

Jedenfalls scheint THC vom Zentralnervensystem über die Psyche bis hin zur Verdauung und zum Immunsystem zu wirken. Folgende Wirkungsweisen wurden unter anderem beobachtet:(2)

  • euphorisierend
  • Intensivierung der Wahrnehmung
  • Steigerung der Konzentration
  • schmerzlindernd
  • entzündungshemmend
  • muskelentspannend
  • antiepileptisch
  • appetitanregend
  • Erweiterung der Blutgefäße
  • Erhöhung der Herzfrequenz
  • Senkung des Augeninnendrucks

Die Wirkung scheint von Mensch zu Mensch allerdings unterschiedlich auszufallen und kann mitunter ins Gegenteil ausschlagen. Dies scheint abhängig zu sein von der konsumierten Dosis und auch davon, ob das THC von einer Pflanze einer Sativa oder Indica Sorte stammt. Es wird aktuell davon ausgegangen, dass die Terpenprofile der einzelnen Sorten die Wirkungsweise von THC beeinflussen.

Was passiert bei einer Überdosis THC?

Eine THC Überdosis endet für Menschen zwar nicht tödlich, dennoch kann es recht unangenehm werden, wenn du zu viel THC konsumierst. Die möglichen Symptome reichen von Müdigkeit, Schwindel und Koordinationsstörungen über Herzrasen bis hin zu Angstzuständen, Paranoia und Halluzinationen.(3)

Wie lange wirkt THC und wie lange ist THC nachweisbar?

Während die spürbare Wirkung von Tetrahydrocannabinol innerhalb einiger Stunden nachlässt, sieht es mit der Nachweisbarkeit ganz anders aus: THC wird nämlich vom menschlichen Körper relativ langsam abgebaut und ausgeschieden. Abhängig davon, ob es sich um einmaligen oder regelmäßigen Konsum von Cannabis handelt, sind THC bzw. seine Abbauprodukte einige Tage bis einige Wochen lang in Blut und Urin nachweisbar.

Wie kann man THC richtig einnehmen?

THC wird von den meisten assoziiert mit dem Rauchen von Marihuana. Ja, die klassische Art THC zu konsumieren ist das Rauchen von Joints und Bongs. Über die Lunge gelangt das THC besonders schnell und in hoher Konzentration in den Blutkreislauf – die Wirkung erfolgt also rasch und stark. Aufgrund der krebserregenden Wirkung von Rauch und Tabak wird diese Einnahmeform aus medizinischer Sicht allerdings nicht empfohlen.

Eine ebenso schnelle, aber schonendere Wirkung kannst du mit dem Vaporisieren oder Verdampfen von Blüten, Haschisch oder Dab erzielen. Die wesentlichen Vorteile hierbei sind die gute Dosierbarkeit und die exakte Einstellung der Temperatur.

Da THC sehr lipophil, also fettlöslich ist, lässt es sich auch relativ einfach in Ölen und Fetten extrahieren. Das Ergebnis sind z.B. Haschischöl, Honey Oil oder Red Oil mit einem THC-Gehalt von bis zu 90%. THC Öl lässt sich auch sublingual einnehmen oder in Lebensmitteln weiterverarbeiten. Bei der oralen Aufnahme von THC kommt es aber zu einer verzögerten Wirkung und im Vergleich zum Inhalieren oder Rauchen fällt sie auch weniger stark aus.

Gut zu wissen: Im medizinischen Bereich ist THC als Dronabinol bekannt. Der Wirkstoff wird in der Apotheke nach Verschreibung individuell zu öligen Drobaninol Tropfen, Kapseln oder einer Inhalationslösung verarbeitet.

Kann man THC Produkte legal kaufen?

Aufgrund seiner starken Psychoaktivität fällt 9-Tetrahydrocannabinol (THC) in den meisten Ländern – so auch in Deutschland – unter das Suchtmittel- oder Betäubungsmittelgesetz.(4) Dabei ist die Legalität in der Regel an einen gewissen Grenzwert gekoppelt – in den meisten EU-Ländern liegt dieser bei einem THC-Gehalt von 0,2%.

Was bedeutet das für Vollspektrum Produkte in Form von CBD Öl oder Kapseln? Da diese alle Cannabinoide der Hanfpflanze beinhalten, damit es zu einem “Entourage Effekt” kommen kann, enthalten sie auch geringfügig THC. Der genaue THC Gehalt wird von seriösen Anbietern im Rahmen des Analysezertifikats ausgewiesen. Liegt er unter der Schwelle, die in deinem Land gilt, so bleibst du im legalen Bereich.

Wird THC für medizinische Zwecke genutzt, so ist auch eine höhere THC Konzentration erlaubt. Allerdings ist für diese Produkte eine Verschreibung durch einen Arzt notwendig, die bei einer Kontrolle auch vorzuweisen ist.

Wenn du mehr über die Legalität von THC, CBD, den anderen Cannabinoiden und Cannabis generell erfahren möchtest, schau in unserem stets aktuellen Beitrag über die Legalität von Hanfprodukten vorbei!

THC Strukturformel

Wie steht’s mit der Forschung zu THC?

Das Wissen um die Kraft der Cannabispflanze ist Jahrtausende alt, die moderne Cannabisforschung gerade einmal ein halbes Jahrhundert. Mit der Entdeckung und erstmaligen Isolierung von THC durch Raphael Mechoulam am Weizmann-Institut für Wissenschaften in Israel fiel 1964 der Startschuss für diesen Forschungszweig – mittlerweile sind über 100 verschiedene Cannabinoide der Hanfpflanze bekannt, aber wahrscheinlich sind das immer noch nicht alle.

Obwohl THC intensiv erforscht wurde und wird, sind immer noch viele Fragen offen. Dafür brachte die THC Forschung Anfang der 1990er Jahre ein überraschendes “Nebenprodukt”: Auf der Suche nach den Wirkungsmechanismen von THC identifizierten die Wissenschaftler die CB1 und CB2 Rezeptoren und entdeckten somit eher zufällig unser Endocannabinoidsystem.

In der Medizin kommt THC unter der Bezeichnung Dronabinol derzeit weniger zur Behandlung von Krankheiten als vielmehr als Begleittherapie zur Linderung von Symptomen zum Einsatz. Vor allem in der Palliativmedizin und der Onkologie wird THC bei chronischen Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit verwendet. Hierzu sind bereits zahlreiche Studien zu finden und die Zulassung durch viele Arzneimittelbehörden scheinen ebenfalls für eine nachweisbare Wirkung zu sprechen.

Im Zusammenhang mit der Behandlung psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder dem Tourette-Syndrom sind die Ergebnisse eher durchwachsen. Eine australische Metastudie kam nach Untersuchung von über 80 Publikationen zu dem Schluss, dass mit dem derzeit verfügbaren Datenmaterial keine eindeutigen Empfehlungen möglich sind.(5)

Schwierig gestaltet sich auch die Erforschung der Langzeitfolgen von THC Konsum, da die Illegalität der Substanz in vielen Ländern die Wissenschaft vor ein Problem stellt. Bei Ratten konnten jedenfalls schon dauerhafte Hirnschäden und kognitive Beeinträchtigungen durch regelmäßige THC Verabreichung festgestellt werden. Auch beim Menschen konnten neuronale Veränderungen nachgewiesen werden, die Reversibilität selbiger wurde aber noch nicht geklärt.(6)

Mit der zunehmenden Legalisierung von Cannabis rechnen wir jedenfalls damit, dass auch in der THC Forschung in den kommenden Jahren einiges an neuen Erkenntnissen anstehen wird.

Fazit

THC ist das bekannteste und ein schon relativ gut erforschtes Cannabinoid. Das bedeutet aber nicht, dass die Wissenschenschaft schon fertig ist mit ihren Erkenntnissen. Da das Cannabinoid an beide bekannten Arten von Rezeptoren innerhalb unseres Endocannabinoidsystems andocken kann, fällt auch das Wirkungsspektrum sehr vielfältig aus.

Unter dem Namen Dronabinol kommt THC in der Medizin besonders als Begleittherapie bei chronischen Schmerzen und Übelkeit bei Krebspatienten zum Einsatz.

Aufgrund seiner psychoaktiven Wirkung ist THC für den Freizeitkonsum in den meisten Ländern verboten.Viele Menschen, die nach einer legalen Alternative suchen, verwenden statt THC CBD (Cannabidiol) oder Vollspektrum Öle, die weniger als 0,2% THC enthalten.

Hast du noch Fragen zum Thema oder selbst Erfahrungen gemacht mit THC? Schreib uns gerne in unserer !

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Cornelius De Luca

Hey! Mein Name ist Cornelius De Luca. Ich bin seit 2016 Teil des CBD360 Teams und fungiere als Chefredakteur. Vor ein paar Jahren bin ich aufgrund von gesundheitlichen Problemen mit dem Thema CBD in Berührung gekommen und setze mich seither leidenschaftlich mit dem Wirkstoff auseinander. Zu meinen Interessen zählen neben dem Schreiben auch Fitness, Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie und Podcasts.